Digitalisierung im Handwerk: NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart besucht AWZ Bau in Kreuztal

Kreuztal. Auf Einladung der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd war NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart in das moderne Aus- und Weiterbildungszentrum Bau (AWZ Bau) gekommen, um sich einen persönlichen Eindruck über die Umsetzung des digitalen Lernens und Arbeitens in der Bauwirtschaft zu verschaffen.

Ein Termin, bei dem Corona nicht im Mittelpunkt des Geschehens steht – das dürfte eine willkommene Abwechslung für Prof. Dr. Andreas Pinkwart (FDP), Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, gewesen sein. Sein Besuch im Aus- und Weiterbildungszentrum Bau in Kreuztal-Fellinghausen war lange geplant. Nun konnte er sich vor Ort über die Umsetzung der Digitalisierung in der bauhandwerklichen Aus- und Weiterbildung informieren. Träger des über die Regionsgrenzen hinaus bei Bauhandwerk und Bauindustrie sehr gefragten Bildungszentrums sind die Bauinnung Westfalen-Süd und die Zimmerer-Innung Westfalen-Süd. Dementsprechend freuten sich die beiden Obermeister Stephan Hundhausen (Bau) und Matthias Dickel (Zimmerer) über das große Interesse des Ministers am AWZ Bau, auf das die Innungen – so betonte Stephan Hundhausen – sehr stolz seien. Neben dem Minister waren auch die Vizepräsidentin des Landtages NRW Angela Freimuth MdL (FDP) und Anke Fuchs-Dreisbach MdL (CDU) nach Kreuztal gekommen, um sich das moderne Zentrum nahe der Heimat einmal genauer anzuschauen. Viel zu sehen gab es nämlich auf dem 11.000 m² großen Areal mit 4.000 m² Ausbildungs- und Schulungsräumen sowie Außenbaustellen: In den Werkstätten bereiteten sich einige Auszubildende auf die anstehenden Abschlussprüfungen vor und zeigten sich professionell im Umgang mit Materialien und digitalen Hilfsmitteln.

AWZ Bau rüstet sich für die Zukunft

Seit 1979 werden im AWZ Bau junge Menschen aus- und weitergebildet, um für die Anforderungen im Berufsalltag bestens gewappnet zu sein. Um den jungen Berufsnachwuchs stets auf die sich wandelnden Entwicklungen und Bedürfnisse der Baubranche vorbereiten zu können, waren in den letzten 20 Jahren regelmäßige Modernisierungs-, Ausstattungs- und Neubaumaßnahmen notwendig, die von Bund und Land gefördert wurden. „Wie man hier im AWZ Bau sehen kann, sind die Fördermittel von Bund und Land in den Berufsbildungszentren des Handwerks an der richtigen Stelle eingesetzt“, so Jürgen Haßler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd. Die jüngsten Förder- und Eigenmittel wurden in eine neue Lagerhalle und eine noch modernere Ausstattung investiert, um die Digitalisierung im AWZ Bau weiter nach vorn zu bringen. Außerdem steht der Neubau eines Verwaltungsgebäudes für 1,5 Mio. Euro an, zu dem Bund und Land 45 bzw. 20 Prozent dazugeben.

Verknüpfung von Praxis und Digitalem

Beim Gang durch die Ausbildungshallen sieht man das Zusammenspiel von handwerklicher Praxis und modernen digitalen Gerätschaften. „Es ist wichtig, zunächst die handwerklichen Techniken von der Pike auf zu lernen und auch Materialien und ihre Eigenschaften zu verstehen. Ebenso wichtig ist aber, dass die Auszubildenden die modernen digitalen Möglichkeiten vermittelt bekommen, da auch in der Praxis immer mehr mit diesen gearbeitet wird. Wir im AWZ Bau möchten den jungen Leuten möglichst viel von beidem mit auf den Weg geben, damit sie für ihr berufliche Zukunft bestens vorbereitet sind“, erklärt der Geschäftsführer des AWZ Bau Horst Grübener. Im modernen Bauhandwerk spiele die Digitalisierung eine immer größere Rolle, ergänzt Stephan Hundhausen. Damit meint er auch das sogenannte „Building Information Modeling“: Die durchgängige digitale Vernetzung aller planungs- und realisierungsrelevanten Bauwerksinformationen als virtuelles Bauwerksmodell. Digitale Vermessungsgeräte mit einer Präzision von 2 Millimetern auf 300 Metern Länge oder Bagger mit digitaler Maschinensteuerung sind auf modernen Baustellen nicht mehr wegzudenken. „Die digitalen Möglichkeiten sind für die Arbeit auf der Baustelle sehr wichtig. Außerdem führt die Digitalisierung nicht nur zu neuen spannenden Herausforderungen, sondern auch zu einer höheren Attraktivität der Berufe. Hier im AWZ Bau wird genau das gefördert, was wir auf den Baustellen brauchen. Nicht nur als Obermeister der heimischen Bauinnung, sondern auch als Unternehmer bin ich stolz, ein so tolles und leistungsfähiges Aus- und Weiterbildungszentrum hier vor Ort zu haben. Mein Dank geht an Horst Grübener und sein gesamtes Team. Man merkt, dass hier mit Herzblut gearbeitet wird“, so Stephan Hundhausen. Voll des Lobes war auch der Minister: „Hier im AWZ Bau wird über Jahrzehnte hervorragend ausgebildet. Sie verbinden die digitalen Möglichkeiten klug mit der handwerklichen Praxis. Es macht Freude, dies zu unterstützen. Ich bin dankbar, dass Sie mit Ihren Ideen an unserer Seite sind. Bleiben Sie weiterhin so ambitioniert und fordern Sie uns heraus. Denn: Jeder Euro, der in Bildung investiert wird, zahlt sich für unser Land aus.“

Auswirkungen von Corona

Auch am AWZ Bau sind die letzten Wochen mit dem Corona bedingten Shutdown nicht spurlos vorbeigegangen. Wo sich normalerweise über 100 Auszubildende, dazu noch duale Studenten und Meisterschüler tummeln, herrschte sechs Wochen lang gähnende Leere. Für das AWZ Bau sei dies sowohl menschlich als auch wirtschaftlich schmerzlich gewesen. „Mit der Zwangsschließung haben wir pro Woche 34.000 € verloren. Das muss erst einmal verkraftet werden. Umso freudiger haben wir dann die Nachricht vernommen, wieder öffnen zu können. Innerhalb von nur zwei Tagen haben wir alles vorbereitet, um den Anforderungen an Abstand und Hygiene gerecht zu werden und die ersten Auszubildenden wieder begrüßen zu dürfen“, erklärt Horst Grübener. Die Zeit der Schließung habe das Team des AWZ Bau insbesondere mit digitalen Angeboten überbrückt: Live-Webinare und die Nutzung von Zoom, Microsoft Teams oder Click Meeting waren nun nicht mehr nur Kür sondern pure Notwendigkeit, um den Kontakt zu Auszubildenden, Gesellen, Studenten und Kunden zu halten und sie mit wichtigen Informationen und Lerninhalten zu versorgen. „Uns hat die Krise sehr hart getroffen. Nun sind wir froh, dass wir wieder öffnen konnten. Derzeit haben wir aber natürlich noch keine volle Auslastung. Wir brauchen nun wesentlich mehr Platz und mehr Personal, um alle Abstandsvorgaben einhalten zu können. Gleichzeitig wurde aber durch Corona die Digitalisierung in unserem Hause noch einmal stark beschleunigt – diesbezüglich hat uns die Krise auch notgedrungen vorangebracht“, berichtet Horst Grübener.

Handwerk zeigt sich krisenfest

KH-Geschäftsführer Jürgen Haßler betont, dass die derzeitige Lage im regionalen Handwerk stabil sei. „Den ganz großen Druck hat das Handwerk noch nicht gespürt. Allerdings treffen uns die Auswirkungen meist zeitversetzt. Und natürlich gibt es Gewerke, die härter getroffen sind als andere – beispielsweise Friseure oder Bäcker mit Cafébetrieben. Der Rettungsschirm hat hier gut funktioniert und stark betroffenen Betrieben konnte erst einmal schnell geholfen werden. Insgesamt ist das Handwerk aber bisher glimpflich davon gekommen.“ Dies bestätigten auch Matthias Dickel, Obermeister der Zimmerer-Innung Westfalen-Süd und Bauinnungs-Obermeister Stephan Hundhausen: „Wir sind sehr zufrieden. Die Baustellen sind gut weitergelaufen. Wir spüren, dass weniger Aufträge aus der Industrie kommen, dafür aber mehr aus der öffentlichen Hand. Daher wird das bisher gut kompensiert.“ Zu bedenken gab Stephan Hundhausen aber, dass nun seitens des Staates Maß und Mitte bewahrt werden müsse. Schließlich könne jeder Euro nur einmal ausgegeben werden und müsste irgendwann auch zurückgezahlt werden. Hier dürfe der Staat seine eigenen Möglichkeiten nicht überschätzen. Jürgen Haßler warb abschließend noch einmal für das Handwerk: „Das Handwerk zeigt sich bisher krisenfest. Wir sind froh, dass auch die Gesellenprüfungen nicht in Gefahr sind und – mit großer Anstrengung – stattfinden können. Ein Handwerksberuf ist außerdem zukunftssicher, denn anders als in der Industrie können im Handwerk nicht so leicht Arbeitsplätze wegdigitalisiert werden. Handwerk ist schließlich vor Ort notwendig.“

 

Text und Bilder: Rebecca Dalhoff

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